Auf dem Weg zur wichtigsten Stromquelle?

von Joël Ch. Wüthrich

Knapp ein Jahr nach dem Ja zum Energiegesetz und somit zum Bekenntnis zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 wurden an der 16. Nationalen Photovoltaik-Tagung von Swissolar interessante Trends und Fakten analysiert.

Wie ist die Marktentwicklung und wie stehen die Marktchancen für Solartechnik in der Schweiz? Wie funktionieren Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch und wie können Solaranlagen noch besser in die Gebäudehülle integriert werden? Sind die Synergien zwischen Verteilnetzen, Photovoltaik, Batterien und Elektromobilität zu optimieren und was läuft in der Photovoltaik-Forschung? Da standen am 19. und 20. April in Bern an der 16. Nationalen Photovoltaik-Tagung von Swissolar einige nahrhafte Themen auf der Platte.

Situation in der Schweiz
Gemessen an der installierten Leistung, war Photovoltaik (PV), beziehungsweise Solarstrom, die Energieerzeugungstechnologie, die 2017 weltweit am meisten zugelegt hat. Allein die letztes Jahr neu installierte Leistung von rund 100 Gigawatt, das sind 33 Prozent mehr als im Vorjahr, könnte mehr als das Doppelte des jährlichen Schweizer Stromverbrauchs decken. Für 2018 wird mit einem weiteren globalen Marktwachstum von 20 bis 50 Prozent gerechnet. So weit der Trend im weltweiten Markt. Etwas anders sieht die Sachlage in der Schweiz aus. Swissolar gehe da von einem stagnierenden Photovoltaikmarkt aus. Die neu installierte Leistung dürfte bei 240 Megawatt liegen, was etwa 1,5 Millionen Quadratmetern und circa 220 Fussballfeldern entspricht. Damit würde der Anteil des Solarstroms am Schweizer Stromverbrauch nur um ein halbes Prozent auf rund drei Prozent steigen. Immerhin wäre Solarstrom nach der Wasserkraft die zweitwichtigste erneuerbare Stromquelle.

Aufschwung dank besserer Rahmenbedingungen
Aber es sind einige Änderungen für 2018 zu erwarten: Die im Rahmen der Energiestrategie 2050 angepassten Gesetze und Verordnungen könnten bald richtig greifen, da nunmehr günstigere Rahmenbedingungen für den Bau grosser Photovoltaikanlagen herrschen. «Allerdings nur dann, wenn ein wesentlicher Teil des Stroms zeitgleich an Ort und Stelle im Eigenverbrauch genutzt wird und wenn Investoren mit den langen Wartefristen für die Auszahlung der Einmalvergütung umgehen können», heisst es von Swissolar.

Ohne Anreize, keine Motivation
Bei der Nutzung der Solarwärme (Solarthermie) rechnet Swissolar laut letzten eigenen Statistiken mit einem stabilen Markt. «Für den weiteren Ausbau der Solarwärme ist nun die rasche Umsetzung der neuen koordinierten Energiegesetze in den Kantonen (MuKEn 2014) sehr wichtig. Dieses Regelwerk schafft unter anderem Anreize, bei Heizungssanierungen Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung einzusetzen. Solarwärme kann wesentlich dazu beitragen, den hohen Anteil des Schweizer Gebäudeparks an den Treibhausgasemissionen bis zu 40 Prozent zu reduzieren», lässt sich David Stickelberger, Geschäftsleiter Swissolar und Leiter Kommunikation, zitieren.

Die globale Entwicklung der Photovoltaik ist und bleibt in der Tat spektakulär: In einem Vortrag der beiden Schweizer Träger des renommierten Becquerel-Preises für aussergewöhnliche Leistungen im Bereich der Photovoltaik, Christophe Ballif und Stefan Nowak, heisst es, dass Solarstrom auf dem Weg zur wichtigsten Stromquelle weltweit sein dürfte. In der Schweiz waren indes Solarprojekte jahrelang wegen ungenügender Rahmenbedingungen blockiert. Jetzt aber können die Projekte wieder mit einer Förderung rechnen, müssen jedoch, wie schon erwähnt, einen relevanten Anteil ihrer Produktion selbst verbrauchen, um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen.

Komplexe Projekte
Die «Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch» über Grundstücksgrenzen hinweg, die jetzt möglich sind, wurden an der 16. Photovoltaik-Tagung von Swissolar in Bern als neue Chance gefeiert. Eine Podiumsdiskussion mit Vertretern des Hauseigentümerverbands Schweiz, des schweizerischen Mieterverbands, des Verbands schweizerischer Elektrizitätsunternehmen sowie der Solarwirtschaft habe das gemeinsame Interesse, diese innovative Lösung voranzubringen, zementiert. «Solche Projekte verlangen aber ein erhöhtes Verständnis für die Integration der Solarenergie in die Gebäudetechnik, was mit dem Projekt Solarbildung Schweiz 2020 von Swissolar gewährleistet werden soll», heisst es von Swissolar. Nationalrat Roger Nordmann, Präsident von Swissolar, ergänzte: «Nur so kann die Schweiz ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaprotokoll umsetzen. Der Ersatz von Benzin und Heizöl führt zu einem steigenden Strombedarf, den erneuerbare Quellen decken müssen.»

Solarenergie als Teil der Gebäudehülle
Ein weiteres interessantes Hauptthema 2018: die Solarenergie als Teil der Gebäudehülle. Studien zeigen, dass sich auf den Dächern und Fassaden der Schweiz rund die Hälfte des Strombedarfs mit Solarmodulen erzeugen liesse. Erörtert wurde das Beispiel der Stadt Carouge, wo man Denkmalschutz und Solarenergienutzung kombiniert.

Die Integration der Photovoltaik ins Energiesystem der Zukunft ist ebenfalls ein entscheidender Aspekt. Der steigende Anteil von Solarstrom im Stromnetz muss bewirtschaftet werden. Wie an der Tagung besprochen, könnte dies durch Nutzung von Elektromobilität und Batteriespeichern unterstützt werden.

Typisch Schweiz: Innovative Forschung
Nach wie vor ist Innovation einer der grossen Treiber im Bereich Photovoltaik. Die Schweizer Forschung und Industrie ist weiterhin in diesem Bereich Weltspitze und sehr innovativ. Eine wichtige Rolle nehmen dabei die Fachhochschulen ein. Aktuell fördert das Bundesamt für Energie (BFE) folgende Forschungsschwerpunkte mit Aktivitäten: Effizienzsteigerung der einzelnen Komponenten, industrielle Umsetzung neuer Produkte und Herstellungsverfahren, Qualitätssicherung, Erhöhung der Anlagen-Zuverlässigkeit. Man forscht – wie an der Photovoltaik-Tagung in Bern eingehend behandelt – auch nach neuen Lösungen für die Integration der Photovoltaik sowohl in Gebäuden wie auch im elektrischen Netz. Im Bereich der Nachhaltigkeit möchte man eine Verminderung von Energie- und Materialeinsatz bei der Produktion oder der Rezyklierung erzeugen. Bei der Weiterentwicklung und industriellen Umsetzung verschiedener Solarzellentechnologien sucht man nach Konzepten für sehr hohe Wirkungsgrade. Ausserdem steht die Entwicklung neuartiger Modultechnologien für eine verbesserte Integration von Solaranlagen in Dächer und Fassaden ganz oben auf der Prioritätenliste sowie die Integration von Photovoltaikanlagen ins elektrische Netz, beispielsweise durch Modellierung und Vorhersagen, Entwicklung multifunktionaler Komponenten und Zusammenspiel mit dezentralen Speichern.

www.swissolar.ch