Flavio Casanova ist CEO der Gruner Gruppe. Foto: Gruner Gruppe

Die Swissbau 2018 unter dem Generalmotto «Collaboration» und der Diskussion über die Digitalisierung der Branche steht vor dem Abschluss. Die Themen Zusammenarbeit und Digitalisierung sind wichtig – sie beschäftigen uns täglich, wenn wir über Investments in neue Arbeitsinstrumente und Software entscheiden, Ausbildungsprogramme für unsere Mitarbeitenden konzipieren und mit Kunden an digitalen Modellen arbeiten.

Und dennoch frage ich mich oft, ob wir uns hier nicht mit Fragen der Vergangenheit beschäftigen und die existentiellen Fragen der Zukunft gar noch nicht auf dem Radar haben? Dies trifft insbesondere auf die Perspektiven für das klassische Planungsbüro zu. Meine Überlegung mache ich ausgehend von zwei Megatrends: auf der einen Seite wachsen die Ansprüche unserer Kunden an «Rundum sorglos-Dienstleistung». Unseren Kunden ist es ein Bedürfnis, dass wir als Dienstleister Lösungen aus einer Hand bringen, die Komplexität bei Vorhaben umfassender als bisher managen und für hohe Qualität von A-Z bürgen. Auf der anderen Seite ist es absehbar, dass standardisierbare intellektuelle Dienstleistungen durch intelligente Systeme auf kollaborativen Plattformen übernommen werden. Das Planungsbüro ist in dieser Welt weder Fisch noch Vogel, Und was mit solchen Halbwesen passiert, das haben wir in anderen Industrien in den letzten Jahren gesehen, zum Beispiel mit Reisebüros.

Die existentielle Frage ist also, in welche Richtung wir diese Halbwesen entwickeln und womit wir weiterhin Geld verdienen. Schaffen wir es, kommunikative, sozialkompetente, kundenorientierte Komplexitätsmanager zu werden oder entwickeln wir uns zu Anbietern und Entwickler von intelligenten Systemen und Plattformen oder… – auf jeden Fall: auch in der Zukunft wird unsere Gesellschaft für die Weiterentwicklung und den Erhalt unserer bebauten Umwelt wertvolle und spannende Arbeitsplätze benötigen.

Unsere Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen werden sich in den nächsten Jahren noch in vielen Strategieklausuren mit diesen Zukunftsfragen beschäftigen. Ich würde mir aber auch wünschen, dass die Akademie an Fachhochschulen und Universitäten sich der Fragestellung nach künftigen Geschäftsmodellen in der Branche zuwendet, wenn möglich transdisziplinär, über den reinen Bauplanungs-Zirkel hinaus. Und dass sich die Verbände den Fragestellungen annehmen. Und wäre es vermessen, sich dieses Thema nächstes Jahr für die Swissbau zu wünschen, mindestens für eine der Focus-Veranstaltungen? Diesen Termin würde ich mir ganz sicher schon jetzt eintragen.

Flavio Casanova ist CEO der Gruner Gruppe.

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