Der Architekt Dietrich Schwarz setzt das Label Minergie in den Rahmen von gesellschaftlichen Handlungstrends. Foto: Georg Lutz

Es gilt auf der Swissbau einen runden Geburtstag zu feiern. bauRUNDSCHAU war dabei. 20 Jahre Minergie ist erstens eine Erfolgsgeschichte und zweitens keine Selbstverständlichkeit.

Die Vision vom ökologischen Bauen und dem Passivhaus ist eine alte Geschichte. Schon in den siebziger Jahren gab es erste Versuche, auch in der Schweiz. Aber noch 1998, bei seiner Gründung, war das Label Minergie eine Nische. Viele Bauverantwortliche befürchteten einem Verzichtsdiskurs, dem sie sich unter zu ordnen hätten. Minergie setzte den Dreiklang von Wertsteigerung, Komfort und Ökologie dagegen und war damit sehr erfolgreich. Im Neubau ist das Bauen im Rahmen von Minergie inzwischen Standard. Gesetzliche Vorschriften zogen nach. Sie haben das klassische Label Minergie inzwischen überflüssig gemacht.

Als erster Jubiläumsredner betonte Heinz Tännler, er ist Präsident von Minergie und Regierungsrat in Zug, weitere Vorteile. Zunächst geht es um weitere positiven Fakten des Labels. Minergie hätte sich als Wirtschaftsfaktor für die gesamte Baubranche etabliert. Zudem bleibe die Wertschöpfung in der Schweiz. Allerdings gelte es nicht locker zu lassen. «Wir haben noch Pläne: die Erneuerung des Gebäudeparks in der Schweiz.» Die Zahlen sind noch sehr bescheiden und Pinselrenovierung ist leider weiter Alltag.

Erfolgreiche Projekte sind aber auch kein Selbstläufer. Minergie kam vor drei Jahren in eine Identitätskrise. Dies hatte mehrere Gründe. Durch neue gesetzliche Vorgaben entwickelten Kantone einen Aufholungsprozess, der Minergie an den Rand zu drängen drohte. Organisatorische und finanzielle Herausforderungen drohten die Wachstumskurven zum Erliegen zu bringen. «Wir mussten über die Bücher» räumt Tännler selbstkritisch ein. Nur mit Workshops zu Inhalte, Strategie und Organisation und Hilfe von aussen haben wir die Kurve hinbekommen.» Jetzt ist Minergie neu und besser aufgestellt.

Festredner Dietrich Schwarz ist Architekt und hat schon einige Minergie-Projekte realisiert. Er ging auf einige Abstimmungen der letzten Zeit ein, die Handlungsbedarf einfordern.

Im Mai 2017 gab es die Abstimmung zum Energiegesetz. Die Energiestrategie 2050, sprich den Ausstieg aus der Atomindustrie und die Förderung erneuerbarer Energien wurde darin festgeschrieben. Die Energiebranche verändert sich. Solarenergie, mit dezentraler Speicherung, die über neue Technologien ermöglicht wird, steht vor dem Durchbruch und werden neue Arbeitsplätze schaffen.

«Mit dem Raumplanungsgesetz von 2013 kann der Siedlungsbrei gestoppt werden betonte Schwarz. Die innenstätische Belebung braucht neue, spannende Initiativen. Auch Genossenschaften können bei der Innenstadtverdichtung ihren Beitrag leisten. Als positives Beispiel führte Schwarz das Beispiel Kalkbreite.an. Dabei Stärkung der Zentren.

Zum Schluss seines Vortrags plädierte Schwarz für die Strategie der Konzentration. Es geht um eine «Kultur der Konzentration auf das Wesentliche.» Es geht um das Ziel Lebensqualität zu verbessern und nicht darum die Welt zu erretten.

Andreas Meyer Primavesi ist Geschäftsführer von Minergie. In einem leidenschaftlichen Statement plädierte er für die Weiterentwicklung von Minergie. Und was fehlt? Die soziale Frage. Wenn die Minergie bei der Sanierung des Gebäudebestands erfolgreich sein will, muss die Frage beantwortet werden, ob die Bewohner der Altbauten auch nach der energetischen Sanierung in ihren Wohnungen weiterleben können. Das ist ein wichtiger Baustein, der in vielen Debatten leider vergessen wird.

Georg Lutz ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU.

www.minergie.ch