Notebook und Bauhelm – das ist Alltag in der digitalen Zukunft des Bauens. Foto:Shutterstock

Mit dem erschienenen Merkblatt SIA 2051 «Building Information Modelling (BIM)» steht jetzt eine wegweisende, allgemein verständliche Anwendungshilfe für Architekten, Ingenieure, Fachplaner wie auch ihre Auftraggeber zur Verfügung. Das ist eine solide Orientierung im digitalen Dickicht.

 Lang wurde es erwartet und gefordert, nun ist es da: das Merkblatt SIA 2051 «Building Information Modelling (BIM) – Grundlagen zur Anwendung der BIM-Methode». Damit ist ein wichtiger Schritt in der digitalen Gegenwart des Bauens getan. Grundzüge, Prinzipien und Wirkung der BIM-Methode werden im Merkblatt erstmals grundsätzlich aufbereitet und klärend definiert. Ohne den Anspruch auf vollständige Abdeckung aller Anwendungsfälle ist das neue Merkblatt richtungweisend für die weiteren normativen Regelwerke des SIA im BIM-Bereich. Erfreulicherweise ist die «SIA 2051» für alle Aufgaben des Hoch- und Tiefbaus anwendbar und zugleich verankert in der Methodik der Projektphasen SIA 112/2014 gemäss dem «Modell Bauplanung». Somit ist das Merkblatt BIM schlüssig ins übrige SIA- Normenwerk eingebettet. Der Tradition des SIA-Normenschaffens folgend, unterstützt das Merkblatt als schlankes und praxisorientiertes Arbeitsinstrument die Akteure durch den gesamten Zyklus des Bauens – von der Projektierung bis zum Unterhalt eines Bauwerks. Für Architekten, Fachplaner, Auftraggeber und Betreiber von Gebäuden bietet es eine gemeinsame Verständigungsgrundlage für die Anwendung der BIM-Methode.

Regeln eines integralen Miteinanders

Die Autoren des Merkblatts verstehen und beschreiben BIM vor allem als Methode – eine Methode, die digitalen Bauwerksmodelle mit geeigneten Prozessen und Organisationsformen kombiniert. Dabei geht es um das integrale Miteinander. So vielfältig die verschiedenen Anspruchsgruppen im Zuge von Erstellung und der Bewirtschaftung eines Bauwerks sind, so unterschiedlich sind deren Ziele bei der Nutzung von digitalen Bauwerksmodellen. Das Merkblatt zeigt auf, dass diese, wo immer möglich, zu Beginn von den verschiedenen Beteiligten formuliert und ausgetauscht werden. Die zu erreichenden Ziele lösen Bedürfnisse nach Informationen aus, die mithilfe des digitalen Bauwerksmodells befriedigt werden sollen. Lautet das Ziel beispielsweise, in einer frühen Projektphase eine rasche und belastbare Kostengrobschätzung zu erhalten, so wird der Planer versuchen, aus dem digitalen Bauwerksmodell aktuelle Informationen bezüglich der Geschossfläche, der Aussenwandfläche und der Dachfläche zu beziehen. Da sich solche Informationen nur beschränkt maschinell auswerten lassen, sind sie in einem nächsten Schritt als Anforderungen an die Modelle zu formulieren. Nur wenn gemeinsam vereinbart wurde, wie zum Beispiel die Geschossfläche im Modell zu beschreiben ist, kann diese von allen Beteiligten ohne zusätzliche Absprache automatisiert ermittelt werden. Dieser Prozess der Zielformulierung, des Äusserns von Informationsbedürfnissen und ihrer Überführung in Anforderungen wird im BIM-Projektabwicklungsplan festgehalten. Das SIA-Merkblatt zeigt dabei den Weg vom Nutzungsplan mit den Zielen über den Modellplan mit den Inhalten bis zum Koordinationsplan mit der Regelung des Austauschs und der Qualitätssicherung auf.

Bei den Modellen wird unterschieden zwischen strategischer Planung, Projektierung und Realisation sowie der Bewirtschaftung. Das Merkblatt definiert dabei, wer für die Prozesse in den jeweiligen Phasen verantwortlich ist. Bei Projektbeginn ist es Sache des Auftraggebers, modellbasierende Projektgrundlagen bereitzustellen. Im Zuge von Projektierung und Realisierung verdichten die Auftragnehmer im Informationsmodell der Projektierung die zur Zielerreichung nötigen Informationen. Dabei ist nicht von einem einzigen Modell auszugehen, sondern von einer Integration und Aggregation verschiedener Teilmodelle. Besteht der Wunsch nach einem Modell auch für die Phase der Bewirtschaftung, wird das Informationsmodell der Projektierungsphase nach Ende der Bauarbeiten in Absprache mit dem Auftraggeber in ein Bewirtschaftungsmodell überführt.

Im Dickicht der Begriffe

Das Merkblatt beschreibt die für die Prozesse nötigen Rollen des BIM-Managers und BIM-Koordinators. Hinsichtlich Leistung und Vergütung wird aufgrund fehlender Erfahrungswerte bewusst auf qualitative und quantitative Aussagen verzichtet. Jedoch lenkt das Merkblatt den Blick auf Fragen, die wesentlich sind für die Ausgestaltung der Verträge.

Viel wird in Laien- und Fachkreisen über BIM gesprochen – Kluges und Anderes. Dass es dem Merkblatt SIA 2051 auf überzeugende Art gelingt, mit seiner Systematik Licht ins reichlich vorhandene Dickicht der Begriffe, Modelle und Daten zu bringen, ist eine klare Stärke dieses Instruments. Neben den Modellbegriffen werden die Rollen der BIM-Akteure definiert und die Prozessorganisation sowie die Prozessplanung dargestellt. Die Zusammenarbeit und Anwendung der BIM-Methode leiten sich sinnfällig aus den im Merkblatt vorangestellten Begrifflichkeiten ab. So ist ein solides Werkzeug für den Alltag der Planenden geschaffen worden.

 Statement von Andreas Wirz

Das Merkblatt ist eine gute Basis und wird der Branche helfen, die Methode besser zu verstehen und anzuwenden. Es ist ein guter erster Schritt, um unsere Normen und Richtlinien auf den digitalen Weg zu bringen. Der Weg zum Ziel, nämlich Durchgängigkeit der Daten von der Konzeption bis zum Betrieb, ist aber noch weit.

Das detaillierte Programm des SIA-Thementags an der Swissbau findet sich auf

www.sia.ch/thementag

Prof. Manfred Huber ist dipl. Arch. ETH SIA, MAS FHNW und Präsident der Kommission SIA 2051.

Markus Friedli ist dipl. Ing. Arch. ETH SIA BSA und Leiter Geschäftsbereich Normen, Mitglied der Geschäftsführung.

Andreas Wirz ist Leiter Digitale Entwicklung der Gruner Gruppe.