Es geht auch anders wie mit Platten. Integrierte Solarlösungen an der Fassade. Foto: Shutterstock

Auf den geeigneten Dächern und Fassaden der Schweiz könnte mit Fotovoltaikmodulen rund die Hälfte des heutigen Strombedarfs der Schweiz in der Jahresbilanz produziert werden. Es gibt gute Gründe, wenigstens einen Teil dieses Potenzials zu nutzen.

Produktionsseitig fallen in absehbarer Zeit nicht nur die einheimischen AKW, sondern auch jene in Deutschland und auch viele in Frankreich weg. Auch die deutschen Kohlekraftwerke, bisher ein Tabu bei unseren Nachbarn, werden irgendwann dem Klimaschutz weichen müssen. Sonst können die verpflichtend internationalen Ziele nicht eingehalten werden. Verbrauchsseitig kommen neue Stromverbraucher hinzu, namentlich in der Mobilität sowie für den Ersatz fossiler Heizungen.

Die Vorstellung, unseren Gebäudepark grossflächig mit Solarmodulen einzudecken, löste bisher Skepsis aus, namentlich bei Architekten. Die meisten von ihnen stellen sich blau schillernde Platten in einheitlicher Grösse vor, die jeglichen Gestaltungsspielraum zunichtemachen. Basierend auf diesen Vorurteilen wollen die meisten Architekten keine Solaranlagen installieren, und wenn der Bauherr eine solche unbedingt will, dann versteckt man sie halt gut auf dem Dach. Sie gehört in dieser Sichtweise in den Bereich Technik und damit in den Verantwortungsbereich des Haustechnik-Ingenieurs. Davon ausgenommen sind einige wenige Architekten, die seit Jahren wegweisende Neu- und Umbauten erstellen, die dank Solarenergie zu Plusenergiehäusern werden und erst noch gut aussehen. Dies blieb meist unbemerkt oder allenfalls belächelt von den Mainstream-Berufskollegen.

Neue Möglichkeiten

Doch nun kommt gleich von mehreren Seiten Bewegung in die Sache. Im Frühling 2017 wurde erstmals an der Architekturabteilung der ETH Zürich ein Entwurfssemester durchgeführt, bei dem von den Studierenden explizit der Einsatz von Fotovoltaik an der Fassade verlangt wurde. Die Ergebnisse sind teils faszinierend – es wurde verstanden, dass Solarenergie zu einem neuen Gestaltungselement wird. Das wird unterstützt durch neue Entwicklungen seitens der Hersteller. Das mit den blau schillernden Platten ist nun wirklich passé – es gibt inzwischen eine breite Palette bezüglich Farbgebung, Oberflächenstruktur und Grösse der Module. Einige kürzlich fertiggestellte Projekte zeigen, was bereits möglich ist. Am weitesten gegangen ist das energieautarke Mehrfamilienhaus in Brütten ZH von René Schmid Architekten mit Modulen auf dem Dach und an der Fassade und einem Wasserstoffspeicher für die Versorgung im Winter. Das sanierte Mehrfamilienhaus in Zürich von Viridén Partner zeigt, wie aus einer Energieschleuder ein Haus mit Energieüberschuss wird. Die ganze Fassade ist mit graugrünen matten Elementen ausgestattet, denen man nicht ansieht, dass sie Solarmodule sind. Der Neubau Solaris von Huggenbergerfries in Zürich-Wollishofen besticht mit rotbraunen geriffelten PV-Fassadenelementen, die in der Architektenszene für Aufsehen sorgen. Und Beat Kämpfen sanierte ein 40-jähriges Haus in Zürich-Schwamendingen, wobei dort thermische Kollektoren in dezentem Bronzeton an der Fassade das prägende Element sind. Erst in Bau ist das Gebäude des Baselstädter Amts für Umwelt und Energie von Jessenvollenweider mit bedruckten PV-Elementen auf der gesamten Fassade.

Die Beispiele zeigen, dass Solarenergie als architektonisch wertvolle Dach- und Fassadenelemente vor dem Durchbruch stehen. Immer mehr «unverdächtige» Architekten experimentieren damit. Dabei hilft auch, dass die Technik bezüglich Montage und Verschaltung der Module grosse Fortschritte gemacht hat und keinen Anlass für Sorgen geben sollte. Wir sind auf gutem Weg zur Nutzung des Solarpotenzials auf unseren Gebäuden – manche davon sehen nachher besser aus als zuvor!

Ja, es geht und zusammen können wir es!

Ein Statement von Marc Wüthrich

Das aktuelle Energiegesetz der Schweiz, die teilweise bereits in Kraft getretenen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn 2014) und die vielfältigen Energieförderprogramme führen heute dazu, dass sowohl im Neubau, aber auch bei Sanierungen, gesamtheitliche Überlegungen zur Umsetzung unabdingbar sind, um optimale Resultate zu erzielen.

Die Tendenz Gebäude zu bauen und zu sanieren, welche ihren elektrischen Verbrauch selber produzieren, nimmt stetig zu, nicht zuletzt auch, weil der Strompreis in der Schweiz aufgrund grosser Herausforderungen bezüglich Sanierung von Kraftwerken, Umweltschutzauflagen und Anforderungen Netzausbau, steigen wird.

Die Photovoltaikbranche hat in den letzten Jahren, zum Teil durch Forschungsprojekte in der Schweiz, starke Fortschritte gemacht, so dass heute sehr energieeffiziente und in Form und Farbe fast uneingeschränkte Möglichkeiten bei der Herstellung von PV-Modulen möglich sind.

Um den Anforderungen der Gesetzgebung und örtlichen Auflagen gerecht zu werden, sind solche Aufgabenstellungen in interdisziplinären Planungsteams, bestehend aus Architekten, Bauingenieuren, Gebäudetechnikern, Bauphysikern und weiteren Fachspezialisten anzugehen. Der Respekt und das gegenseitige Verständnis zwischen den einzelnen Fachdisziplinen bildet dabei die Grundlage für den Erfolg jedes Projektes.

Unser Anspruch in der Gebäudetechnik der Gruner Gruppe ist es, durch den Einsatz von modernsten technischen Hilfsmitteln und neuen Planungsmethoden wie BIM (Building Information Modeling), bereits in frühen Planungsphasen durch die Erstellung von dynamischen Bauwerksmodellen, energetisch dezidiert massvolle, architektonisch repräsentative und ökonomisch optimierte Gesamtlösungen aufzuzeigen, welche auf den ersten Blick nicht als „Kraftwerke“ erkennbar sind.

David Stickelberger ist Geschäftsleiter Swissolar in Zürich.

Marc Wüthrich ist Vorsitzender der Geschäftsleitung bei der Gruner Roschi AG in Köniz.

www.swissolar.ch